Shadow Warrior 2 – Review

Shadow Warrior 2

Im Jahre 2013 veröffentlichten die Entwickler von Flying Wild Hog die Reinkarnation von Shadow Warrior, das erstmals im Jahre 1997 das Licht der Welt erblickte. Damals noch von 3D Realms entwickelt und über GT Interactive veröffentlicht, ist die 2013er-Version über Devolver Digital erschienen. Lo Wang, der Protagonist der Reihe, konnte in der Neuauflage überzeugen. Nun, rund drei Jahre später, darf Lo Wang mit Shadow Warrior 2 erneut zeigen, was er drauf hat. Doch, kann der zweite Teil ebenfalls überzeugen?

In der Geschichte von Shadow Warrior 2 hat es Lo Wang abermals mit Dämonen zu tun. Nach einer langen Ruhepause bekommt Lo Wang einen neuen Auftrag: Er soll eine brillante Wissenschaftlerin aus den Fängen der Zilla Corporation befreien. Was sich nach einer einfachen Aufgabe anhört, wird schnell zu einem Problem. Kimiko ist Besessen – zumindest ihr Körper. Mit der Hilfe von Master Smith, der Lo Wang unter die Arme greift, konnten sie den Geist von Kimiko befreien. Sie, bzw. ihr Geist, befindet sich fortan im Kopf von Lo Wang, und geht ihn tierisch auf die Nerven. Die Welt der Menschen und der Dämonen sind nach den Ereignissen des ersten Teils verschmolzen und durch Portale verbunden. Dieser Umstand ist wichtig zu wissen, da gerade am Anfang des Spiels Verwirrung aufkommt, und man sich fragt, warum man nun nicht mehr auf der Erde herumtollt, wenn man die 2013er-Version ausgelassen hat.

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Zu Beginn des Spieles können wir erneut einen Blick auf einen singenden Lo Wang werfen, der gemütlich mit seinem geliebten Datsun 240Z durch die Wälder fährt. Die Eröffnungssequenz ähnelt der aus der 2013er-Version. Doch die Dämonen, die auf der Erde wandeln, mögen verständlicherweise Lo Wang nicht sonderlich. Ein Angriff und ein kaputtes Auto später und wir befinden uns direkt im Spiel. In dem Prolog werden wir mit der Steuerung von Shadow Warrior 2 vertraut gemacht. Zudem können wir direkt einen Blick auf die Neuerungen machen, die uns in der Fortsetzung erwarten. Es sind eine ganze Menge, um es mal vorwegzunehmen.

Shadow Warrior 2 ist nicht mehr der lineare Shooter, wie noch das Reboot. Mit einem Beutesystem, mehr als 70 Waffen und offenere Level, erwarten uns quasi ein Overflow an Neuerungen. Mutiert zu einem „Loot-Shooter“, können wir nun selbst bestimmen, wie wir unser Ziel in den Missionen erreichen, die uns unsere Verbündeten im zentralen Hub, dem Dragon Mountain, geben. Dragon Mountain dient als eine Art Rückzugsort, wo man neue Missionen annehmen, ein wenig Crafting und Handel betreiben kann.

Während uns die Story-Missionen durch die Welt von Shadow Warrior 2 schicken, müssen wir in den Nebenmissionen immer und immer wieder die gleichen Locations besuchen – oft auch mehrmals. Trotz des zufällig generierten oberflächlichen Aussehens der Level werden die Nebenmissionen schnell nervig. Das größte Problem ist hier die weitläufige Welt, die Fluch und Segen zugleich ist. Zwar ist man in der Bewegung nun nicht mehr eingeschränkt, jedoch läuft man innerhalb der Mission an Punkten vorbei, die man zuvor schon etliche Male besucht hat. Als Beispiel können wir hier das Level von Zilla City nehmen. Wir haben drei Nebenmissionen die wir in der Stadt erledigen müssen. Das geht allerdings nicht zur selben Zeit. Jede Mission muss einzeln erledigt werden. Das bedeutet: Raus aus der abgeschlossenen Mission und direkt wieder in das Level rein. Auch müssen wir immer wieder eine Zugangskarte für ein Gebäude finden, das wir schon zuvor öfters betreten haben. So fühlen sich die Nebenmissionen eher an wie eine Beschäftigungstherapie. Allerdings muss man sie erledigen, da man sonst auf starke Waffen verzichten muss, die es als Belohnung gibt.

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Allgemein sehen wir die Entscheidung, das Spiel mit offenen Gebieten zu versehen, als negativ an. Während im linearen Shooter meist der Weg das Ziel ist, ist in Shadow Warrior 2 der Weg zum Missionsziel eine Farce. Die Gebiete sind keine zusammenhängenden Orte, sondern eigenständige Spawn-Gebiete für zufällige Gegnergruppen. Durch diese Art an Gamedesign und der nicht gerade kurzen Ladebildschirme bei fast jedem Levelwechsel, geht eine Menge Atmosphäre und Tempo verloren. Nach einer gewissen Zeit nimmt man die Orte nicht mehr wirklich wahr und fängt an Gegnergruppen stehen zu lassen, um schnell die Missionen zu erledigen. Ein weiterer Faktor liegt auch im Schwierigkeitsgrad. Die offenen Gebiete ermöglich das sehr schnelle Zurückziehen, wenn sich der Lebensbalken leert. So kommt man kaum in Bedrängnis. Einzige Ausnahme sind die vier Bosskämpfe, wo das Arena-Design beibehalten wurde. Selbst die kleinen Bosse bzw. besonderen Gegner, die sich in fast jedem Level befinden, lassen sich durch einfaches herumtänzeln schnell erledigen. Sie folgen immer der selben Strategie: Ab 50% Lebensenergie spawnen sie ein Schild um sich herum sowie kleinere Gegner. Diese sind fix erledigt und die Mini-Bosse fallen dann ebenfalls schnell.

Die Kämpfe mit den Dämonen, Cyber-Soldaten und Yakuza fühlen sich in Shadow Warrior 2 besser an. Das liegt daran, dass Wang neue Fähigkeiten zur Verfügung hat, die er gegen seine Gegner einsetzen kann. Durch die Chi-Kräfte kann er die Gegner aufspießen, sich selbst heilen, oder unsichtbar machen, um aus dem Hinterhalt zuzuschlagen. Erschwert werden die Kämpfe durch verschiedene Elementare-Widerstände und Resistenzen. So sind die Gegner beispielsweise durch Feuer verwundbar, während Eis an ihnen abprallt oder nur wenig Schaden zufügt. Es kann auch sein, dass die gegen physische Angriffe immun sind. Damit wir eine Chance haben, lassen die Gegner und Truhen, die sich in den Leveln befinden, verschiedene Siegel fallen, die wir in unseren Waffen einsetzen können. Das Widerstandssystem bringt Abwechslung in das Spiel. So sollte man für jede Schadensart (Feuer, Eis, Gift, Elektrizität und Rüstung) eine Waffe haben. Im Kampf muss man dann die Waffen entsprechend wechseln, um die Anfälligkeit der Gegner auszunutzen. Da sich ein Großteil der Waffen unterschiedlich spielt, ändert sich auch der eigene Spielstil beziehungsweise die eigenen Angriffe. Es stehen insgesamt drei Schwierigkeitsgrade zur Verfügung. Die höchste Stufe bietet seit dem neusten Patch nochmals drei Unterpunkte, um Shadow Warrior 2 anspruchsvoller zu gestalten. Zuvor war die höchste Stufe zu leicht. Je höher der Schwierigkeitsgrad, desto mehr Resistenzen und Leben besitzen die Gegner. Auch die Anzahl der Widersacher ist in den Missionen erhöht.

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Der kooperative Modus kann mit drei weiteren Mitspielern bestritten werden. Wir haben für den Test das gesamte Spiel einmal im Koop-Modus und einmal Solo durchgespielt, und einige negative Erfahrungen gesammelt, die nicht für Koop-Modus sprechen. So konnte der Netcode zum Zeitpunkt des Tests nicht überzeugen. Teilweise gab es schwerwiegende Frameeinbrüche, die nur im Koop-Modus stattfanden. Des Weiteren kann nur der Spieler, der das Spiel hostet mit den Quest-Gebern und -Gegenstände interagieren. Als Mitspieler ist man nur Gast in dem Spiel des Host. Auch der erreichte Fortschritt wird nicht für die Besucher im eigenen Speicherstand übernommen. So wird man auch manche Achievements nicht bekommen, außer man spielt im eigenen Speicherstand weiter.

Die hauseigene Road Hog-Engine macht optisch eine gute Figur. Das Spiel glänzt mit Detailreichtum und Lichteffekten. Jedoch wirken die Animationen der Spielfiguren sowie Gesichtszüge eher hölzern. Auch ein Teil der Synchronisation, gerade im Anfangsteil, wirken eher aufgesetzt. Dafür sorgt die Engine für ein reines Blutbad. Es geht wahrlich nicht zimperlich in Shadow Warrior 2 zu. Die Gegner können in etliche Einzelteile zerlegt werden. Jedoch hat diese „Funktion“ keine Auswirkung während der Kämpfe selbst. Zwar kann man den Widersachern Löcher in den Bauch oder diverse Fetzen raus schießen, aber es wäre wünschenswert gewesen, dass dieses System taktisch einsetzbar wäre.

Die Komponisten Michał Cielecki, Krzysztof Wierzynkiewicz und Adam Skorupa haben sehr gute Arbeit beim Soundtrack abgeliefert. Der Soundtrack passt Atmosphärisch zum Spiel. Das Theme von Shadow Warrior 2 ist ein wahrer Ohrenschmaus, sodass man auch gerne mal im Hauptmenü verweilt, um sich von den Strapazen des Spieles zu erholen.

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Fazit:

Leider ist Shadow Warrior 2 nicht die erhoffte Fortsetzung. Ein lineares Gameplay wie im Vorgänger hätte dem Titel durchaus gut getan. Shadow Warrior 2 ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Einerseits möchte das Spiel ein „Loot-Shooter“ sein, andererseits möchte es an das Reboot anknüpfen – was aber nicht gelingt. Keine Frage, Lo Wang ist und bleibt guter Charakter mit deftigen Sprüchen, die uns auch im zweiten Teil erhalten bleiben. Dennoch können wir nur eine bedingte Empfehlung aussprechen. Mit einer Spielzeit von rund 15 Stunden kann Lo Wang einigermaßen unterhalten, aber der Wiederspielwert ist nicht gegeben – obwohl Shadow Warrior 2 ein „New Game+”-Modus bietet.

Wir danken Devolver Digital für die Bereitstellung der Testversion!

Titel: Shadow Warrior 2

Genre: First-Person-Shooter

Entwickler: Flying Wild Hog

Publisher: Devolver Digital

Plattform: PC

Release: 13. Oktober 2016

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