Review / Preview

The Wolf Among Us – Episode II: Smoke & Mirrors

Wer kennt sie nicht, die guten alten Märchen, die uns unsere Großeltern oder Eltern vorgelesen haben, wo die drei kleinen Schweinchen sich vor dem großen bösen Wolf versteckt haben oder Rotkäppchen in den tiefen und weiten Wald gelaufen ist, um ihre Großmutter zu besuchen. Was wäre, wenn die Fabelwesen lebendig sind und direkt unter uns Menschen leben, ohne das wir davon wüssten? Dieses Thema behandelt The Wolf Among Us, das von der Spieleschmiede Telltale Games entwickelt wurde. Das Spiel basiert auf der Comic-Serie Fables, die von Bill Willingham erschaffen wurde und über DC Comics Vertigo erschienen ist. Der Titel erzählt die Vorgeschichte zu den Comics.

Wie üblich, erscheint auch The Wolf Among Us in Episoden. Insgesamt werden fünf Episoden veröffentlicht. Wir werden das Review mit den einzelnen Episoden erweiterten, sobald diese veröffentlicht werden. Wir bewerten den Inhalt der einzelnen Episoden, die Wertungen fließen dann in das Endergebnis ein.

Es war einmal…

In The Wolf Among Us schlüpft ihr in die Rolle von Bigby Wolf, dem großen bösen Wolf. Er ist der Sheriff von einer verborgenen Gemeinschaft, die in New York City für Recht und Ordnung sorgt, damit die mythischen Kreaturen und Charaktere unerkannt und versteckt bleiben. Bigby Wolf befindet sich selbst im Exil. Er wurde aus dem Land der Märchen verbannt und wurde nun von Snow White (Schneewittchen) beauftragt, die Kreaturen in Schach zu halten. Diese können sich von einer Hexe mit einem Zauber belegen lassen, der sie in die Gestalt eines Menschen verzaubert. Das Problem ist, dass die Hexe etwas Kleingeld dafür haben möchte, damit der Zauber aufrecht erhalten bleibt. Doch nicht jeder kann sich diesen leisten und nicht jeder hat Lust drauf. Die menschlichen Fabelwesen, wie Schneewittchen, benötigen diesen Zauber natürlich nicht.

Episode I: Faith

Faith lautet der Name der ersten Episode. Der Prolog bringt Bigby Wolf in ein Wohnhaus, wo ihn Mr. Toad, ein Frosch, ihn um Hilfe gebeten hat. Der kleine grüne Racker trägt allerdings keine Verkleidung, sondern spaziert in seiner eigentlichen Fabel-Form herum. Nach einer kleinen Standpauke findet Bigby heraus, warum er von dem Frosch zur Hilfe gerufen wurde. Der Holzfäller, der ein wenig zuviel getrunken hat, randaliert in seinem Apartment fröhlich herum. Ein Unbekannter ist er für Bigby nicht. Schließlich hat der Holzfäller ihm den Bauch aufgeschnitten und ihn mit Steinen befüllt, als er Rotkäppchen gerettet hat. Doch dies geschah nicht in der realen Welt. Zudem sei gesagt, dass in der deutschen Ausgabe des Grimm Märchens ein Jäger den Wolf getötet hat.

In den ersten paar Minuten des Spiels werden wir mit der Steuerung vertraut gemacht. Die Tasten „WASD“ benutzen wir, um Bigby durch das Spiel zu bewegen. Mit der Maus interagieren wir mit der Umgebung, schauen Hinweise an und sammeln sie auf. Die Kämpfe laufen fast selbstständig ab. In diversen Quick-Time-Events gilt es, die richtige Taste zum richtigen Zeitpunkt zu drücken oder mit die Maus in eine Fläche zu bewegen. Die Kämpfe sind gut inszeniert, auch wenn man nicht viel machen muss.

Wir machen uns also auf dem Weg zum Apartment, in dem der Holzfäller wohnt. Nachdem wir zaghaft die Tür eingetreten haben, sehen wir, wie der bärtige Mann ein Mädchen schlägt. Das lassen wir natürlich nicht zu, und so schreiten wir als Bigby in den Kampf ein. Nachdem wir uns um den Holzfäller gekümmert haben und das mysteriöse Mädchen befragt haben, befinden wir uns in unserem Zuhause wieder und die Geschichte fängt jetzt erst richtig an. Ein Mord, der direkt vor unserer Haustür stattfand, wird uns durch die erste Episode begleiten. Da Bigby der Sheriff von den Fabelwesen ist, muss er den Mord aufklären. Dazu müssen wir Hinweise sammeln, die Wesen befragen und diverse Orte inspizieren. Die Geschichte ist in der ersten Episode sehr gut erzählt. Auch die Charaktere, auf die man trifft, sind absolut glaubwürdig. Das liegt daran, dass sie alle eine persönliche Hintergrundgeschichte haben, die man im Hauptmenü nachlesen kann, sobald man den Wesen einmal begegnet ist.

Es ist interessant zu sehen, wie die bekannten Charaktere der Märchen in der realen Welt sind. Sie trinken Alkohol, nehmen Drogen oder gehen zu Prostituierten. Ein großer Vorteil ist es, wenn man die Geschichten aus den früheren Zeiten kennt. Denn erst dann kann The Wolf Among Us seinen schwarzen Humor ausspielen. Nehmen wir zum Beispiel Snow White. Die hübsche Dame war mit Prinz Charming verheiratet, doch er entschied sich dafür, ein Schäferstündchen mit der Schwester von Snow White (Red Rose) zu halten. Für Kinder ist The Wolf Among Us wahrlich nichts, da der Titel eine Story für das ältere Publikum bietet.

Ein Feature, das im Moment bei den Spielen von Telltale Games immer wieder auftaucht, sind die Entscheidungen, die während des Spielverlaufs getroffen werden können. Auch in The Wolf Among Us haben sie Auswirkungen auf die Geschichte. Je nachdem wie wir ein Gespräch während unserer Ermittlungen führen, wirkt sich das auf die Kooperation der Charaktere aus oder entscheidet in Zweifelsfall über Leben und Tod. Die getroffenen Entscheidungen werden in die nächsten Episoden mit übernommen.

Die erste Episode ist mehr ein interaktiver Comic. Es gibt viele Konversationen und viele Sequenzen, in denen wir nur zuschauen können. Es gibt natürlich einige Abschnitte, in denen wir Bigby Wolf durch eine Szene bewegen können um Hinweise zu finden, aber diese sind relativ kurz gehalten. Rätseln muss man ebenfalls nicht, da alle wichtigen Objekte durch einen Marker hervorgehoben werden. Rätsel-Fans werden bislang nicht bedient. In Episode I: Faith steht mehr die Geschichte im Vordergrund.

Episode II: Smoke & Mirrors

Rund vier Monate nach dem Launch der ersten Episode von The Wolf Among Us, veröffentlichte Telltale Games endlich die zweite Episode namens Smoke & Mirrors, in der die Geschichte um Fabletown fortgesetzt wird. Ich schneide die Episode hier im Review nur an, da ich nicht viel verraten möchte. Die Grafik, Sound und das Gameplay haben sich nicht verändert.

Die Geschichte setzt einen Tag nach den Geschehnissen der ersten Episode Faith ein. Der dicke Cliffhanger, der uns am Ende auf die lange Folter gespannt hat, wird allerdings nach wenigen Minuten gelöst und sorgt für eine kleine Überraschung. Insgesamt ist die Story wieder gut erzählt und hat einige interessante Wendungen parat. Auch die Entscheidungen aus der ersten Episode sind gut umgesetzt. Leider ist die zweite Episode sehr kurz gehalten. Nach nicht einmal zwei Stunden Spielzeit steht man wieder vor dem Ende.

Rätselfreunde kommen auch mit Smoke & Mirrors nicht auf ihre Kosten. The Wolf Among Us bleibt bislang ein interaktiver Comic, indem wir einfach nur der Geschichte folgen und Bigby zaghaft durch die einzelnen Szenarien steuern. Auch die Action an sich wurde leicht gekürzt.

Im Laufe der Episode lernen wir neue Charaktere bzw. Fabelwesen kennen. Viel Hintergrund erfährt man über diese nicht, da sie nur in einzelnen Szenen vorkommen. In der ersten Episode hatten die Charaktere einen längeren Auftritt. Dafür stechen aber die neuen Orte raus, die wir in Fabletown besuchen. Wir sehen, wo sich die Wesen herumtreiben und das nicht alles Gold ist, was glänzt.

Grafik und Sound

Die Grafik von The Wolf Among Us kommt im Stile eines Comics daher. Die Entwickler setzten auf weit dickere, schwarze Umrandungen, als in The Walking Dead. Des Weiteren hat man die ganze Palette an violetten Tönen ausgepackt, sobald der Titel in der Dunkelheit spielt. Das Zusammenspiel der Farben ist wirklich super und verleiht dem Spiel eine düstere Atmosphäre. Allerdings fällt auf, dass die Glättung der Kanten nicht optimal ist. Ebenso sind die Texturen nicht sehr detailliert, was auf den Comic-Look zurückzuführen ist. Schick sieht The Wolf Among Us dennoch aus.

Ebenso der Sound kann sich hören lassen. Die Musik tritt allerdings während des Spiels ein wenig in den Hintergrund. Sehr gut gelungen ist die englische Sprachausgabe. Die Sprecher machen einen guten Job und hauchen den digitalen Wesen Leben und Emotionen ein. Auch die Dialoge sind gut geschrieben. Leider liegt das Spiel bislang nur in der englischen Sprache vor. Deutsche Texte gibt es bislang noch nicht. Ob und wann sie folgen, ist bisher nicht bekannt.

Das erste Fazit

Bislang kann ich sagen, dass The Wolf Among Us einen sehr guten Eindruck macht. Die Story ist gut, die Charaktere glaubwürdig, die Grafik kann sich sehen lassen. Ich bin gespannt, wo die Reise hingeht und ob Telltale Games die kommenden Episoden ebenfalls spannend gestalten kann.

Titel: The Wolf Among Us

Genre: Adventure

Plattform: PC, PlayStation 3, Xbox 360, PS Vita

Entwickler: Telltale Games

Publisher: Telltale Games

Empfehlung: USK 18

Website: http://www.telltalegames.com

Release: 11. Oktober 2013 ( PS Vita im Herbst)

 

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